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Das Aufwändige Geschlecht

Projektstruktur

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Zentrum für angewandte Weiterbildungsforschung - Institut für Ökonomische Bildung e. V. an der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr (Leitung Dr. Bernd Remmele) und dem Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg i.Br. (Leitung Prof. Dr. Britta Schinzel). Gefördert wird Das Aufwändige Geschlecht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Kurzbeschreibung / Thema

Geschlecht ist keine starre Größe, sondern in wird in Abhängigkeit vom sozialen Kontext 'gemacht'. Eine verbreitete Methode Geschlecht zu performieren, ist die Bezugnahme auf Technik. Geschlecht und Technik werden gewissermaßen ko-konstruiert. Dabei geht DAG von der Annahme aus, dass sich diese Ko-Konstruktion auch in Bezug auf Informationstechnologie findet.
Wie gut es gelingt, Geschlecht zu machen, ist abhängig vom jeweiligen Kontext und wie schwer es fällt entsprechende Zeichen zu setzen. Im Bereich des E-Learning, als Teilbereich der Informationstechnologie, scheint dies zunehmend schlecht zu gelingen.
Unsere zentrale Forschungshypothese lautet daher, dass es sich am Beispiel des e-learning nachweisen lässt, dass das Ausmaß der Geschlechterperformanz von bestimmten Kontextvariablen bzw. von dem Aufwand, der hierzu getrieben werden muss, abhängig ist.

Insgesamt darf nicht von einem statischen Verhältnis von Geschlechterrollen ausgegangen werden, in Form von speziell weiblichen vs. männlichen Verhaltensstrategien. Dies betrifft einerseits die soziale Willkürlichkeit der Zuschreibungen bestimmter technikbezogener Geschlechtercharaktere. So kann, was an einem Ort oder zu einer bestimmten Zeit als weiblich gilt, andernorts oder andermal als männlich gelten. Andererseits betrifft dies, die mögliche und teilweise aus dieser Willkürlichkeit resultierende geschlechtliche Fehlinterpretationen der tatsächlichen Diversität der Nutzungsweisen, insofern Geschlecht nur (vermeintlich) stärkere Faktoren (z.B. Alter, Medienerfahrung, sozialer Status) interpretativ überlagert.

Vor diesem Hintergrund soll die Forschungshypothese im Rahmen des Projektes sowohl theoretisch begründet als auch empirisch durch eine Metaanalyse sowie eine eigene empirische Studie im Bereich E-Learning untersucht werden. Einerseits wird die theoretische Arbeit entscheidend für die Operationalisierung des empirischen Forschungsdesigns sein, und andererseits werden die Untersuchungsergebnisse dazu dienen, die theoretischen Analysen zu validieren. Des Weiteren sollen praktische Maßnahmen zur geschlechtergerechten bzw. ‚geschlechterignoranten’ Steuerung (durch Erhöhung des Aufwandes) informationstechnischer Kontexte, insbesondere im Bereich der computervermittelten Lehre und Studienorganisation, abgeleitet werden.

Methodisches Vorgehen

Immer mehr Hochschulen nutzen das Internet, um Teile des Studiums, organisatorisch oder inhaltlich, durchzuführen oder zu unterstützen. Diese Abwicklung des Lernens – und Lehrens – per Internet, das E-Learning, hat ihre eigenen, spezifischen Kontexte und Kontextbedingungen. Und sie hat ihre eigenen Verwerfungen und Differenzierungen (digital divide).
Diese Verwerfungen und Differenzierungen sind Thema der Forschung, u. a. in Untersuchungen zum Internet und zu Computer-(Lern-)Spielen. Bei dieser Forschung standen vor allem Zugänge zu Technik, Lernstile und die Frage einer geschlechterdifferenten Nutzung im Fokus. DAG rückt andere Fragestellungen ins Zentrum: Das Projekt analysiert Geschlechterperfomanz durch und in E-Learning-Settings.

Drei Bereiche wollen wir zu diesem Thema genauer untersuchen:

  • Unterstützen die Struktur und die Handhabung von E-Learning-Settings Geschlechterkonstruktionen, v.a. auch Selbstzuschreibungen, der Studierenden, die sie nutzen? Wenn ja, auf welche Weise?
  • Welche geschlechtlichen Differenzierungen werden in E-Learning-Settings produziert, angesprochen und wirksam?
  • Wie kann mit Mitteln der E-Governance, also durch Eingriffe in technik-basierte Regulierungen, auf die Formen der Reproduktion von Geschlecht eingewirkt werden?

Bei der Nutzung von internet- und PC-basierten Lernumgebungen spielen Selbst- und Fremdzuschreibungen, beispielsweise in Bezug auf Geschlecht, eine entscheidende Rolle. Wir wollen mit einer Methoden-Triangulation (Analyse der Nutzungskontexte und Nutzungsweisen sowie Interviews) diese Prozesse untersuchen. Welche Eingriffsmöglichkeiten gibt es in Bezug auf die Konstruktion von Geschlecht und auf damit verbundene Differenzierungen? Auf welcher Seite werden Kontextbedingungen vergeschlechtlicht, auf der Seite der Entwicklung (TechnikerInnen und Lehrende) und/oder auf der Seite der Nutzung (Lehrende, Lernende) oder werden sie lediglich vergeschlechtlicht rezipiert?

Mitarbeiter

An der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr (WHL):

  • Prof. Dr. Bernd Remmele (Leitung)
  • Dr. Dominique Schirmer (Koordinatorin)
  • Matthias Holthaus, M.A.

Am Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg (IIG):

  • Prof. Dr. Britta Schinzel (Leitung)
  • Dominik Haubner,
  • Dr. Peter Brüstle, M.A.

Am Fachbereich 4 - Wirtschaftswissenschaften II der FHTW Berlin im Bereich der Angewandten Informatik

  • Prof. Dr. Albrecht Fortenbacher

Am Psychologischen Institut der Univeristät Zürich:

  • PD Dr.Ulf-Dietrich Reips (u.reips(at)psychologie.unizh.ch)

Beteiligte Institutionen

An folgenden Institutionen werden eLearning-Settings untersucht:

  • Wissenschaftliche Hochschule Lahr und die AKAD-Privathochschulen
  • FHTW Berlin
  • UZH Zürich

Kontaktdaten

Für Fragen und Informationen steht Ihnen Dr. Dominique Schirmer gerne zu Verfügung Kontakt
Weitere AnsprechpartnerInnen sind an der Wissenschaftliche Hochschule Lahr  Prof. Dr. Bernd Remmele Kontakt
und am Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg (IIG) Prof. Dr. Britta Schinzel Kontakt