Ergebnisse einer Studierendenbefragung über Erwartungen der Studierenden an betriebswirtschaftliche Erst- und Weiterbildungsstudiengänge
Studierverhalten in neuen 'Bachelor- und Masterstudiengängen'
Vor dem Hintergrund dieser Veränderungsprozesse im deutschen Hochschulwesen wurde das Studierverhalten im Kontext der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge untersucht. Hierzu führte die WHL Wissenschaftliche Hochschule Lahr Anfang 2005 eine Erhebung durch, an der sich insgesamt 1.636 Studierende betriebswirtschaftlicher Studienfachrichtungen aus 21 Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien) beteiligt haben.
Veränderungsprozesse im deutschen Hochschulwesen
Der aktuelle Modernisierungsprozess des deutschen Hochschulwesens beinhaltet vor allem eine strukturelle und inhaltliche Neuorientierung der gesamten Hochschulausbildung. Der Reformprozess ist dabei eingebettet in einen allgemeinen Erneuerungsprozess der Hochschulausbildung in Europa mit dem Ziel, bis 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen (Hintergrundinformationen (PDF).
Hieraus ergeben sich eine Reihe von Fragestellungen, die sich auf die Positionierung und Ausrichtung von Hochschulen hinsichtlich ihres (zukünftiges) Studienangebots auf dem Bildungsmarkt beziehen:
Beispiele
- Wie werden neue Studienabschlüsse seitens der Wirtschaft und seitens der Studierenden angenommen?
- Welches Gewicht erhalten dadurch Bachelor- gegenüber Masterabschlüssen?
- Welche Differenzierung unter den Masterabschlüssen ist sinnvoll?
In der Erhebung wurden Studierende danach befragt (Fragebogen (PDF), nach welchen Aspekten sie sich für einen spezifischen Hochschultyp oder Studiengang entschieden haben bzw. entscheiden würden. Folgende Schwerpunkte wurden dabei abgefragt:
- Gründe für die Wahl der Hochschule, des Studiengangs bzw. Abschlusses und des Studienfaches,
- Orientierung nach dem Erstabschluss,
- Interesse an weiterer wissenschaftlicher Weiterbildung.
Einige Ergebnisse im Überblick
Die Wahl des Studienfachs, der Hochschule und des Studienganges bzw. des Studienabschlusses ist insbesondere von den persönlichen und beruflichen Zielen und Perspektiven abhängig. So basiert die Entscheidung für ein Studium im Fach Wirtschaftswissenschaft im Wesentlichen auf dem persönlichen Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen sowie auf den Erwartungen hinsichtlich der beruflichen Perspektive.
Die Wahl für einen Bachelor- oder Masterabschluss wird insbesondere aufgrund ihrer Internationalität und der damit verbundenen zukunftsweisenden Bedeutung und Anerkennung im beruflichen Umfeld getroffen. Hingegen sprechen die Bekanntheit und die bisherigen Möglichkeiten im Rahmen der beruflichen Weiterentwicklung für einen Diplomabschluss.
Insgesamt kann jedoch eine abnehmende Bedeutung des Diplomabschlusses und eine wachsende Bedeutung des Masterabschlusses festgestellt werden. So würde sich eine deutliche Mehrheit der Befragten bei einer neuen Wahlmöglichkeit nicht mehr für einen Diplom- oder Bachelorabschluss, sondern für einen Masterabschluss entscheiden.
Die Ergebnisse der Studierendenbefragung verdeutlichen zudem, dass die wissenschaftliche Weiterbildung als wichtiger Bestandteil für die berufliche Weiterentwicklung von den Studierenden erkannt wird. So haben sich bezogen auf das Gesamt-Sample 45% der Befragten bereits jetzt darauf eingestellt, nach dem derzeitigen Studium einen weiteren Abschluss (sicher oder doch zumindest möglicherweise) anzustreben.
Die meisten, die einen weiteren Abschluss in Auge fassen, beabsichtigen dies erst, wenn sie zunächst einige Jahre Berufserfahrung sammeln konnten. Etwa 30% streben allerdings unmittelbar nach ihrem derzeitigen Studium einen weiteren studiengangsbezogenen wissenschaftlichen Abschluss an. Für 27% bietet sich diese Alternative nur dann, wenn sie nach ihrem Abschluss keine Anstellung finden würden. Der Zeitpunkt, wann ein weiterer Abschluss angestrebt wird, variiert allerdings zwischen den Befragten je nach Hintergrund des derzeit angestrebten Studienabschlusses. Für Bachelor-Studierende erscheint beispielsweise unmittelbar nach erfolgreichem Abschluss der bevorzugte Zeitpunkt zu sein. Diplom-Studierende, vor allem bei den Berufsakademie-Studierenden, sehen es als sinnvoll an, zunächst Berufserfahrung gesammelt zu haben.
Als zentrale Gründe für einen weiteren wissenschaftlichen Abschluss spielen vor allem arbeitsmarktbezogene Motive wie die Verbesserung der eigenen Arbeitsmarktchancen und Karrieremöglichkeiten eine Rolle. Nicht unwichtig sind auch persönliche Interessenlagen wie die Entfaltung bzw. Erweiterung des Bildungshorizonts.
Als wissenschaftlichen „Weiterbildungsabschluss“ wird dem von Seiten der Politik als zukunftsträchtig und international bekannter herausgestellten Masterabschluss der Vorzug gegenüber dem traditionellen Diplom-Abschluss gegeben. Hier lassen sich schon Anpassungserscheinungen aufzeigen, die mit der Einführung des zweistufigen Studiensystems verbunden sind. Die wichtigste Form eines weiterführenden wissenschaftlichen Abschlusses stellt aber nach wie vor die Promotion dar, die besondere für Diplom- und Master-Studierende als der geeignete Weg erscheint, ihre berufliche Laufbahn zu fördern, wobei in der Gesamtbetrachtung der Unterschied nur bei 2% gegenüber einem Master-Abschluss liegt.
Bei der Ausgestaltung des Studiengangs erreichen insbesondere die Studierformen mehr Zustimmungswerte, die sowohl berufsbegleitende als auch präsenzbezogene Elemente miteinander verknüpfen. So finden das „reine Präsenzstudium (berufsbegleitend)“ sowie der „berufsbegleitende Studiengang aus einer Kombination von Fern-, Präsenz- und Online-Anteilen“ die höchsten Zustimmungswerte. Diese beiden Studierformen erlauben es nach Einschätzung der Befragten am ehesten, Faktoren wie „Wichtigkeit der Vereinbarkeit mit Beruf und Familie“, die „Wichtigkeit eines zeitlich sehr flexiblen Studiums“ oder auch die „Wichtigkeit des Austausches mit Professoren und Studierenden“ Rechnung tragen zu können.
Zum Thema Studiengebühren ist festzustellen, dass 54% der Befragten sich vorstellen könnten, für ein weiteres Studium Studiengebühren zu zahlen (allerdings nur 8% bejahen dies ohne jede Einschränkung). Die meisten der Befragten könnten sich die Zahlung entsprechender Studiengebühren vorstellen, wenn während des Studiums ein angemessenes Einkommen erzielt werden kann. Dies unterstreicht zugleich die Bedeutung berufsbegleitender Studiengangsformen, die mit Einführung von Studiengebühren voraussichtlich mehr nachgefragt werden. Die Höhe der Opportunitätskosten spielt hierbei offensichtlich eine Rolle, da im Rahmen berufsbegleitender Studierformen Verdienstausfälle entsprechend vermindert oder gar vermieden werden können. Zudem bieten sie auch für Arbeitsgeber eine interessante Perspektive, da eingearbeitete Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen dem Unternehmen erhalten bleiben, die sich zudem – meist in der Freizeit – weiterqualifizieren. Für 15% der Befragten könnte auch die Bereitstellung entsprechender Finanzierungsmodelle eine gangbare Form zur Finanzierung von Studiengebühren darstellen. Aus der Befragung ließ sich zudem ermitteln, dass vor allem bei den Studierenden, die als weiteren Abschluss einen Master oder die Promotion anstreben, die Zahlungsbereitschaft für Studiengebühren am stärksten ausgeprägt war.
Die ausführlichen Ergebnisse der Befragung liegen in Form zweier Publikationen vor, die in der Reihe „Schriften der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr“ erschienen sind:
- Kim, Seon-Su/Schmette, Martina/Sauerland, Dirk:
Studium im Wandel?! Die Erwartungen der Studierenden an betriebswirtschaftliche Erst- und Weiterbildungsstudiengänge,
Teil I: Die Wahl von Hochschultyp und Studienabschluss beim Erststudium: Motive, Erwartungen und Einschätzungen der Studierenden, WHL Schriftenreihe, Nr. 7, Lahr 2006. Preis: 30,- € (inkl. MwSt. von 7%, zzgl. Versandkosten) - Schmette, Martina/Kim, Seon-Su/Sauerland, Dirk:
Studium im Wandel?! Die Erwartungen der Studierenden an betriebswirtschaftliche Erst- und Weiterbildungsstudiengänge,
Teil II: Zur Notwendigkeit wissenschaftlicher Weiterbildung: Die Nachfrage nach Weiterbildungsstudiengängen und ihre Determinanten, WHL Schriftenreihe, Nr. 8, Lahr 2006. Preis: 30,- € (inkl. MwSt. von 7%, zzgl. Versandkosten)
Hinweis: Beide Bände zusammen sind insgesamt für 50,- € (inkl. MwSt. von 7%, zzgl. Versandkosten zu bekommen. Finanzierung: Eigenfinanziertes Projekt der WHL Wissenschaftliche Hochschule Lahr
Projektdauer: Dezember 2004 bis Dezember 2005
Projektleitung: Prof. Dr. Dirk Sauerland
Projektbearbeiter: Dr. Martina Schmette
Dipl.-Ökon. Seon-Su Kim
Download: Studierendenbefragung: Hintergrundinformationen zum Reformprozess des deutschen Hochschulwesens z. B. Bologna-Prozess (pdf-Datei)
Download: Studierendenbefragung: Fragebogen (pdf-Datei)
Für weitere Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an Frau Dr. Martina Schmette (Tel.: +49 7821 9238-45 oder E-Mail)