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Wirkungsbeziehungen zwischen Strukturebenen der Kompetenz

ABWF-Gutachten
Die Indentifikation der Wirkungsbeziehungen zwischen Strukturebenen der Kompetenz als Wegweiser für den Einsatz von Kompetenzentwicklungsmaßnahmen

Das Zentrum für angewandte Weiterbildungsforschung e. V. (jetzt ZAWF - IÖB e. V.) erstellte in Zusammenarbeit und unter der Projektleitung von Prof. Dr. Uta Wilkens, Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal des Instituts der Ruhr-Universität Bochum (vormals Lehrstuhlinhaberin für Personalmanagement und Organisation an der WHL) sowie unter der Beteiligung des WHL-Lehrstuhls Wirtschaftspädagogik/Bildungsmanagement ein Gutachtens im Rahmen des Projektes Grundlagenforschung „Lernkultur Kompetenzentwicklung“ zum Thema „Lernkultur, Kompetenzentwicklung und Strukturebenen von Unternehmen und Organisationen“ im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung (ABWF)/Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (QUEM).

Finanzierung: Mittel des BMBF und des Europäischen Sozialfonds
Laufzeit: 22 Monate (Februar 2005 bis Oktober 2006)

 
Kurzbeschreibung
DerErforschung von Kompetenzen auf Individuums-, Gruppen und Organisationsebene wurde in den vergangenen Jahren vermehrte Aufmerksamkeit zuteil und es kann auf erhebliche Fortschritte auf diesem Gebiet verwiesen werden. Dennoch besteht ein Forschungsbedarf darin, dass kaum systematische Aussgagen über die Wirkungsbeziehungen zwischen unterschiedlichen Strukturebenen von Kompetenz getroffen werden können. Zwar werden in der Regel positive Wechselwirkungen insbesondere zwischen Netzwerk und Organisation sowie zwischen Individuum und Organisation angenommen, ohne aber Beeinflussungsrichtungen und -intensitäten genauer spezifizieren zu können.

Hinsichtlich dieser Ausgangsbedingungen wurden im Rahmen des Gutachtens daher drei aufeinander aufbauende Zielstellungen verfolgt:

  • eine systematische Theorieaufarbeitung, um zu einem Aussagesystem über Wirkungsbeziehungen zwischen unterschiedlichen Kompetenzebenen zu gelangen,
  • die Ableitung eines Modells als Basis für die Entwicklung eines Messinstrumentariums zur Identifikation und Analyse dieser Wirkungsbeziehungen und
  • die Identifikation von Ansatzpunkten zur Kompetenzentwicklung mit ebenenübergreifender Wirkung.

Den theoretische Bezugsrahmen bilden Perspektiven und Annahmen aus der wettbewerbstheoretischen, soziologischen, psychologischen und pädagogischen Kompetenzforschung. Aus deren Zusammenführungen wurde darin, Kompetenzdimensionen abzuleiten, die ebenenübergreifend aussagefähig sind. Durch eine Zusammenführung der theoretisch hergeleiteten Kompetenzdimensionen aus der Theorie komplexer adaptiver Systeme und der ein gemeinsames Begriffsverständnis zugrunde gelegt und Anschlussstellen für die Wirkungsanalyse identifiziert. Die Herausforderung bei der Entwicklung eines Modells, das die Analyse von Wirkungsbeziehungen zwischen Ebenen individueller und kollektiver Kompetenz erlaubt und zugleich organisationsinterne und -externe Strukturebenen einbeziehen kann, bestand darin, Kompetenzdimensionen abzuleiten, die ebenenübergreifend aussagefähig sind. Durch eine Zusammenführung der theoretisch hergeleiteten Kompetenzdimensionen aus der Theorie komplexer adaptiver Systeme und der sozial-kognitiven Theorie ergab sich eine Operationalisierung, die es erlaubt, Wirkungsbeziehungen zwischen Ebenen individueller und kollektiver Kompetenz sowohl innerhalb eines sozialen Systems als auch grenzüberschreitend zu untersuchen. Ebenen kollektiver Kompetenz können dabei formale Arbeitsgruppen, informelle Teams, Abteilungen, ganze Organisationen wei auch kollektive Bezugsgruppen von Indivduen oder kollektiven Einheiten sein, die vor dem Hintergrund rechtlicher Abgrenzungskritierien außerhalb des sozialen Systems liegen. Die sich auf Komplexitätsbewältigung, Selbstrefelxion, Kombination und Kooperation beziehenden Komptenzdimensionen lassen sich dabei auf die individuelle Ebenen sowie alle genannten Ebenen kollektiver Kompetenz beziehen.

Durch die Pilotanwendung des Instrumentes in zwei verschiedenen Einrichtungen des Wissenschaftssystems wurde es möglich, eine überschaubare Anzahl von Items zur Beschreibung individueller, gruppenspezifischer und organisatorischer Handlungsfähigkeit zu identifizieren, die die theoretisch herlgeleiteten Kompetenzdimensionen unterlegen.

Mit Hilfe des Untersuchungsinstrumentariums ist grundsätzlich die Möglichkeit gegeben (auch wenn die Pilotanwendung dies nicht in vollem Maße leisten konnte), soziale Systeme dahingehend zu analysieren, welche dominanten Wirkungsbeziehungen zwischen den Kompetenzebenen bestehen. Das eingesetzte Untersuchungsinstrument ist somit in der Lage, Unterschiede in den Wirkungsbeziehungen auf den Kompetenzebenen Individuum, Gruppe und Organisation abzubilden, wenn auch vorerst nur in korrelativer Art und Weise sowie über benannte Bezugsgruppen.

Kritisch für die Unternehmenspraxis wird es dennoch bleiben, die Wirkungsrichtungen zu identifizieren. Strukturgleichungsverfahren sind an eine hohe Stichprobengröße gebunden, die schwer im Unternehmensalltag zugänglich sind. Wird die Anzahl über beispielsweise mehrere Abteilungen inweg erhöht, werden gruppenspezifische (abteilungsspezifische) Merkmale nicht berücksichtigt werden können. Korrelationen verdeutlichen an dieser Stelle zwar gewisse Zusammenhänge, erklären aber die Quelle der Kompetenz nur in ungerichteter Art und Weise. Die Wirkungszusammenhänge zwischen den Kompetenzebenen wurden hier daher primär durch Bezugsgruppen aufgezeigt, die die Befragten im Zusammenhang spezifischer Kompetenzaktivitäten als wichtig beurteilt haben. Über entsprechend gewichtete Wertzuschreibungen konnten Rankings innerhalb der Bezugsssysteme auf den einzelnen Kompetenzebenen gebildet werden, die Aufschluss über die Wirkungsrichtung und auch -intensität geben konnten. Bei einer möglichen Weiterentwicklung des Untersuchungsinstruments wäre dennoch zu klären, wie durch eine weitere spezifischere Erfassung der Bezugsgrößen nicht nur die Wirkungszusammenhänge, sondern auch die Aussagen zu Wirkungseffekten und -intensitäten noch konkreter abgebildet werden können.

Kontakt
Dr. Martina Schmette
Tel.: 07821-9238-45 oder per E-Mail

Veröffentlichungen zum Projekt

Wilkens, Uta/Keller, Helmut/Schmette, Martina: Wirkungsbeziehungen zwischen Ebenen individueller und kollektiver Kompetenz. Theoriezugänge und Modellbildung; in: Schreyögg, G./Conrad, P. (Hrsg.): Management von Kompetenz, Managementforschung 16, Wiesbaden 2006, S. 121-161.

Wilkens, Uta: Erfassung von Wirkungsbeziehungen zwischen Kompetenzebenen; in: QUEM-Bulletin 12/2005, S. 6-11.