Hallo, es geht endlich weiter …
Ich hatte ja mal erwähnt, dass ich Soziologe bin – das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn meinen Magister habe ich in Geschichte gemacht. Dabei ist mir auch eine Studie begegnet, von der ich immer gehofft hatte, noch mal etwas mit ihr anfangen zu können.
Das ist jetzt der Fall: Es geht um die Frage, des Zusammenhangs von aufklärerischem (im philosphischen Sinn) Denken einerseits und Sex/Pornographie andererseits. Die betreffende Studie stammt von Robert Darnton, einem renommierten Historiker der Frühen Neuzeit. Er vertritt dort die These, Sex sei gut fürs Denken (z. B. in: Lettre 54/1994). Im Rahmen einer Übersicht über die Themen und Geschichten der Literaturgattung der pornographischen Romane des vorrevolutionären Frankreichs, streicht er deren Fähigkeit heraus bestimmte Zusammenhänge durch die Folie des Sexes deutlich zu machen und damit aufklärerische Gedanken zu verbreiten.
Generell zeichnet sich diese Gattung dadurch aus, dass erotische Szenen und philosophisch-politische Erörterungen sich permanent ablösen und der Blick auf die ‘Natur’ dazu dient, die eigentliche Gleichheit der Menschen verschiedenen Standes angesichts ihrer körperlichen Ausstattung und Begierden und gleichzeitig die Korrumpiertheit der herrschenden Stände, Adel und Klerus, zu verdeutlichen. So bietet sich etwa der Cartesianismus mit seiner radikalen Trennung in zwei Seinsbereiche (res cogitans, res extensa) an, ironisch eine Verführung durch den lüsternen Pfaffen zu geistig Höherem durch eine gleichzeitige recht derbe körperliche Begegnung narrativ zu verknüpfen. In einem nächsten Schritt können dann die meist unterpriviliert geborenen ProtagonistInnen feststellen, dass sich alles auf Materie in Bewegung zurückführen lässt oder alles Wissen aus den Sinnen kommt.
So wurde die betreffende Literaturgattung damals auch konsequenterweise der übergreifenden Kategorie ‘philosophisch’ zugerechnet, da hier insgesamt Antireligiöses und Umstürzlerisches zusammengefasst wurde. Das Praktisch-Werden als Bestimmung des nur gedruckten Wissens ist dabei gerade bei den erotischen Bestandteilen offensichtlich (ist das nicht schön umständlich verschwurbelt formuliert … ich bin halt doch Soziologe).
Bildung – ein historisch späterer Begriff – hat auch eine dezidiert praktische Dimension, allerdings: ist Bildung heute noch sexy? Die gängigen Sprüche dazu klingen anders. Dazu kann ich aber nur sagen, schauen Sie sich die Professoren (leider keine Professorin, aber wenn …) und MitarbeiterInnen der WHL an. Und zwar live, denn die Fotos auf der Webseite sind natürlich alle entschärft. Sie sind herzlich eingeladen.
To be continued …