Publizieren bis der Arzt kommt?
07 Sep 2010
Liebe Leserinnen und Leser,
auch ich schreibe heute außer der Reihe und mache Werbung für eine Veranstaltung, die vor allem, aber nicht allein, die Nachwuchswissenschaftler unter Ihnen (oder solche, die es noch werden wollen) betrifft.
Wie heute in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen war, setzt sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nun vehement für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Jungforschern ein.
Zur dringend veränderungsbedürftigen Mittelbaumalaise des Nachwuchses gehört auch jenes Problem, das gerne auf den griffigen Slogan “publish or perish!” – zu Deutsch: publiziere oder stirb – gebracht wird. Dahinter verbirgt sich der betrübliche Umstand, dass nur, wer möglichst eifrig viel bedrucktes Papier ausgestoßen (und dabei im Zweifelsfall eher Masse statt Klasse produziert) hat, sich auch an den Fleischtöpfen der Wissenschaft laben darf. Ohne eine ansehnlich lange Publikationsliste, gespickt mit reichlich Impact-Faktoren, keine Berufung zu höheren Weihen!
Die inzwischen gängige Praxis – das Schielen nach Output und Impact, Masse statt Klasse – stellt das wissenschaftliche Selbstverständnis auf den Kopf: Während man einst einen Artikel schrieb, um einen wichtigen Befund mitzuteilen, ist heute das Schreiben und Veröffentlichen in Zeitschriften häufig nur noch Selbstzweck bzw. Mittel der Karriereplanung.
Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Arbeitsweise von Forscherinnen und Forschern aus? Bleiben wissenschaftliche Neugier und ergebnisoffenes Arbeiten möglicherweise auf der Strecke, wenn Forschungsthema und -design immer schon mit Blick auf die Publizierbarkeit der Ergebnisse konzipiert werden? Und welche Rückwirkungen hätte dies auf das “Unternehmen Wissenschaft”?
Ein mehrstündiger Workshop mit anschließender Podiumsdiskussion will diesen Fragen – und möglichen Antworten bzw. Lösungen – am 26. Oktober im KörberForum der Körber-Stiftung Hamburg nachgehen. Das vorläufige Tagungsprogramm kann hier heruntergeladen werden. Anmeldungen werden von der Körber-Stiftung ab dem 12. Oktober entgegengenommen.