Was macht ein:e Controller:in?
Aufgaben, Skills, Gehalt und Karrierechancen im digitalen Zeitalter auch nach KI.
- 1. Planung und Budgetierung
- 2. Reporting und Kennzahlenmanagement
- 3. Soll-Ist-Vergleiche
- 4. Strategische Unternehmenssteuerung
- 5. Risikomanagement
- 6. Digitalisierung und Controlling 4.0
- Welche Fähigkeiten braucht ein:e Controller:in?
- Rechnungswesen und Finanzwissen
- Digitalkompetenz
- Persönliche Kompetenzen
- Wie viel verdient ein:e Controller:in?
- Wie wird man Controller:in?
- Die Zukunft der Controller:in: Vom Zahlenlieferanten zum digitalen Business Partner
- Fazit
- FAQs
- Diese Beiträge können Sie auch interessieren
In aller Kürze:
- Vom Zahlenjongleur zum Strategen
- KI als Werkzeug, nicht als Konkurrenz
Der Beruf Controller:in ist der schönste Beruf der Welt! Sie glauben das nicht? Dann lohnt es sich weiterzulesen. Menschen wollen Bedeutung entfalten, sie wollen einen Unterschied machen oder eben: Nicht ersetzbar sein. Genau das ist bei Controller:innen der Fall. Dabei wurden Controller:innen immer wieder totgesagt: Kalkulation? Lässt sich über Taschenrechner und ERP-Systeme automatisieren. Informationslieferant:in? Das kann doch die KI bzw. Robotic Process Automation besser. Kommunikation im Digitalen Raum? Dafür gibt es in Zukunft KI-Agenten.
Wer aber die Zukunft des Controllerberufs verstehen will, der muss in die Vergangenheit schauen. Ähnliche Zeiten zur Weimarer Republik wie heute und zwei Schlüsselsätze von einem der Urväter des heutigen Controllings, Eugen Schmalenbach. Der erste Satz: Eine Firma ohne Organisation, das ist wie ein Haufen Alteisen und Steine. Darin steckt: Nicht das Material, nicht die Ressourcen entscheiden, ob eine Firma Erfolg hat – sondern die Organisation der Menschen in dieser Firma entscheidet. Menschen machen den Unterschied und ihre Organisation macht den Unterschied.
Damit aber beides wirken kann braucht es vor allem eines: überragende, authentische und vertrauenswürdige Kommunikationsfähigkeiten. Ein zweiter Schlüsselsatz: Wo Prestige und Macht sich dröhnend Geltung verschaffen, da können die Kalkulator:innen nur leise weinend daneben stehen. In ökonomisch schwierigen Zeiten muss man rechnen können – nicht die Idee entscheidet über das wirtschaftliche Überleben, sondern allein die Fähigkeit, diese so umzusetzen, dass sie sich rechnet.
Und das ist Kunstlehre, den Weg herauszufinden, wo dies der Fall ist, eine Kunstlehre die in keiner Form automatisierbar ist. Eine dritte Aufgabe in der genKI-getränkten Informationsflut: Orientierung bewahren können und die Spreu vom Weizen trennen zu können. Auf Basis falscher Informationen verschwendetes Geld kommt nicht wieder. Welche Investitionen sind dann wirklich nachhaltig – das gilt es herauszufinden. All dies zeigt: Controller:innen werden in der Zukunft nicht überflüssig, sie werden wichtiger – zumindest so sie die besagten Skills mitbringen. Und sie sind und bleiben gut bezahlt. So liegt ihr aktuelles Gehalt nach Gehalt.de bei ca. 64.000 Euro im Durchschnitt.
Ein:e Controller:in unterstützt die Unternehmensleitung dabei, wirtschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen. Das beinhaltet das Analysieren von Unternehmensdaten, Planen zukünftiger Entwicklungen, Überwachen von Zielerreichungen und Entwickeln von Handlungsempfehlungen. Controller:innen sind dabei weder Buchhalter:innen noch Wirtschaftsprüfer:innen. Während die Buchhaltung die Vergangenheit dokumentiert, richtet Controlling den Blick vor allem auf die Zukunft:
- Wo steht das Unternehmen aktuell?
- Welche Entwicklungen sind zu erwarten?
- Welche Risiken entstehen?
- Welche Chancen sollten genutzt werden?
- Wie können Gewinne gesteigert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden?
Controller:innen bilden somit die Brücke zwischen Daten, Strategie und Management.
1. Planung und Budgetierung
Eine der klassischen Kernaufgaben des Controllings ist die Unternehmensplanung. Controller:innen erstellen:
- Umsatzplanungen
- Kostenplanungen
- Investitionspläne
- Liquiditätsplanungen
- Budgets für Abteilungen und Projekte
Sie sorgen dafür, dass Unternehmensziele in konkrete Zahlen übersetzt werden. Beispiel: Die Geschäftsführung möchte den Umsatz in den nächsten drei Jahren um 20 % steigern. Analysiert wird:
- benötigte Investitionen
- Personalbedarf
- Finanzierungsmöglichkeiten
- Rentabilität der Maßnahmen
2. Reporting und Kennzahlenmanagement
Controller:innen bereiten Unternehmensdaten verständlich auf. Typische Kennzahlen sind:
- Umsatz
- EBIT
- Cashflow
- ROI
- Deckungsbeitrag
- Eigenkapitalquote
- Produktivität
Die Ergebnisse werden meist in Dashboards oder Management-Reports zusammengefasst. Dabei gilt: Daten besitzen keinen Wert an sich. Erst ihre Interpretation erzeugt Entscheidungsrelevanz.
3. Soll-Ist-Vergleiche
Controller:innen analysieren regelmäßig:
- Welche Ziele wurden erreicht?
- Wo weichen Ergebnisse von Planwerten ab?
- Welche Ursachen gibt es dafür?
Abweichungen können beispielsweise entstehen durch:
- steigende Einkaufspreise
- sinkende Nachfrage
- Produktionsprobleme
- veränderte Marktbedingungen
Aus den Erkenntnissen werden konkrete Maßnahmen abgeleitet.
4. Strategische Unternehmenssteuerung
Moderne Controller:innen sind längst keine reinen Zahlenexpert:innen mehr. Sie unterstützen bei:
- Unternehmensstrategien
- Geschäftsmodellentwicklung
- Digitalisierungsprojekten
- Investitionsentscheidungen
- M&A-Prozessen
- Innovationsmanagement
Damit werden Controller:innen zu den meist gesuchten Helferlein des Managements, d.h. Business Partnern des Managements. Glauben Sie ein Management möchte darauf verzichten?
5. Risikomanagement
Unternehmen stehen heute vor zahlreichen Unsicherheiten:
- geopolitische Krisen
- Lieferengpässe
- Cyberangriffe
- Inflation
- technologische Disruptionen
Controller:innen helfen dabei, Risiken frühzeitig transparent zu machen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
6. Digitalisierung und Controlling 4.0
Einer meiner zentralen Forschungsschwerpunkte ist die Frage, wie Digitalisierung das Controlling verändert. Controller:innen arbeiten heute zunehmend mit:
- Business Intelligence
- Data Analytics
- Künstlicher Intelligenz
- Machine Learning
- Predictive Analytics
- Echtzeit-Dashboards
Das klassische Excel-Controlling wird vielerorts durch intelligente Analyseplattformen ergänzt. Controller:innen entwickeln sich dadurch immer stärker zu datengetriebenen Unternehmenssteuerern. Forschung zu „Controlling in einer Industrie 4.0“ zeigt eindrucksvoll, welche neuen Chancen datenbasierte Unternehmenssteuerung eröffnet.
Welche Fähigkeiten braucht ein:e Controller:in?
Controller:innen müssen Kennzahlen sicher analysieren und interpretieren können.
Rechnungswesen und Finanzwissen
Grundlagen in:
- Bilanzierung
- Kostenrechnung
- Investitionsrechnung
- Unternehmensbewertung
Digitalkompetenz
Moderne Controller:innen benötigen Kenntnisse in:
- ERP-Systemen
- SAP
- Power BI
- Tableau
- Datenbanken
- KI-Anwendungen
Gerade die Digitalisierung verändert die Anforderungen an das Berufsbild grundlegend.
Persönliche Kompetenzen
- Analytisches Denken: Controller:innen müssen komplexe Zusammenhänge schnell erfassen können.
- Kommunikationsfähigkeit: Eine Analyse ist wertlos, wenn ihre Ergebnisse nicht verständlich kommuniziert werden.
- Kritisches Denken: Wie ich häufig betone: Zahlen erzählen niemals die ganze Wirklichkeit. Sie enthalten immer Annahmen, Bewertungen und Prognosen. Sie sind zudem ein reduziertes Modell der Realität. Darum ist immer zu hinterfragen: was bleibt gerade außen vor? Und kann das (existenziell?) gefährlich werden?
- Unternehmerisches Denken: Controller:innen sollten verstehen, wie Unternehmen tatsächlich Wert schaffen.
Wie viel verdient ein:e Controller:in?
Das Gehalt hängt von Branche, Unternehmensgröße, Region und Berufserfahrung ab.
- Berufseinstieg: ca. 45.000 bis 60.000 Euro brutto pro Jahr
- Mit Berufserfahrung: ca. 60.000 bis 90.000 Euro1
- Senior Controller:innen und Führungskräfte: häufig 90.000 bis 130.000 Euro oder mehr2
In Konzernen oder internationalen Unternehmen sind teilweise noch höhere Vergütungen möglich. Zusätzlich kommen häufig hinzu:
- Bonuszahlungen
- Dienstwagenregelungen
- betriebliche Altersvorsorge
- Aktienprogramme
Damit gehört Controlling zu den attraktiv vergüteten betriebswirtschaftlichen Berufsfeldern.
Wie wird man Controller:in?
Ein Studium in:
- Betriebswirtschaftslehre
- Controlling
- Finance
- Accounting
- Wirtschaftsinformatik
bildet häufig die Grundlage. Auch Quereinsteiger aus Bereichen wie
- Rechnungswesen
- Wirtschaftsprüfung
- Steuerberatung
finden regelmäßig den Einstieg. Besonders gefragt sind Qualifikationen in:
- Business Intelligence
- Data Analytics
- Künstlicher Intelligenz
- SAP
- Power BI
- Financial Planning
Wer diese Kompetenzen mit betriebswirtschaftlichem Know-how verbindet, verfügt über hervorragende Karriereperspektiven.
Die Zukunft der Controller:in: Vom Zahlenlieferanten zum digitalen Business Partner
Die Vorstellung der Controller:in als „Hüter der Zahlen“ greift heute zu kurz. Die Zukunft gehört Controller:innen, die:
- Daten intelligent auswerten,
- digitale Technologien nutzen,
- Geschäftsmodelle verstehen,
- strategisch denken,
- Veränderungen aktiv gestalten.
Genau hier liegen auch die Schnittstellen meiner Forschungsarbeit zu Digital Business, Industrie 4.0, KI und Controlling. Die Unternehmenssteuerung der Zukunft wird datengetriebener, vernetzter und intelligenter. Gleichzeitig bleibt der Mensch unverzichtbar, denn Algorithmen liefern zwar Informationen und Entscheidungsvorlagen – wesentliche Entscheidungen treffen aber weiterhin Menschen.
Fazit
Controller:innen gehören zu den wichtigsten Entscheidungsunterstützer:innen moderner Unternehmen. Sie analysieren nicht nur Zahlen, sondern helfen dabei, Chancen und Risiken sichtbar zu machen, Strategien zu entwickeln und Unternehmen erfolgreich durch den digitalen Wandel zu führen.
Wer analytisches Denken, betriebswirtschaftliches Verständnis und digitale Kompetenz miteinander verbindet, findet im Controlling ein Berufsfeld mit exzellenten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. In einer datengetriebenen Wirtschaft wird die Bedeutung dieses Berufs in den kommenden Jahren weiter zunehmen – insbesondere dort, wo Controlling, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zusammenfinden.
FAQs
Financial Controlling: Fokus auf Bilanzen, Cashflow und Liquidität.
Operatives Controlling: Fokus auf das Tagesgeschäft, Kosten- und Leistungsrechnung.
Sales Controlling: Analyse von Vertriebskanälen, Margen und Kundenprofitabilität.
HR Controlling: Personalplanung, Fluktuationskosten und Gehaltsstrukturen.
IT/Projekt-Controlling: Überwachung von IT-Budgets und großen Transformationsprojekten.
Großkonzern: Hier arbeitet man meist in hochspezialisierten Teams (z. B. nur für eine bestimmte Produktlinie oder Region). Die Prozesse und ERP-Systeme (wie SAP) sind fest etabliert, und der Fokus liegt auf tiefgehenden Detailanalysen.
Diese Beiträge können Sie auch interessieren
Quellenangaben:
Über die Autor:innen
Passende Studiengänge
Fragen zum Studium
Kostenloses Infomaterial anfordern
„*“ zeigt erforderliche Felder an