Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch vor einem Computer.

Was macht ein:e Controller:in?

Aufgaben, Skills, Gehalt und Karrierechancen im digitalen Zeitalter auch nach KI.

In aller Kürze:

- Vom Zahlenjongleur zum Strategen
- KI als Werkzeug, nicht als Konkurrenz

Der Beruf Controller:in ist der schönste Beruf der Welt! Sie glauben das nicht? Dann lohnt es sich weiterzulesen. Menschen wollen Bedeutung entfalten, sie wollen einen Unterschied machen oder eben: Nicht ersetzbar sein. Genau das ist bei Controller:innen der Fall. Dabei wurden Controller:innen immer wieder totgesagt: Kalkulation? Lässt sich über Taschenrechner und ERP-Systeme automatisieren. Informationslieferant:in? Das kann doch die KI bzw. Robotic Process Automation besser. Kommunikation im Digitalen Raum? Dafür gibt es in Zukunft KI-Agenten.

Wer aber die Zukunft des Controllerberufs verstehen will, der muss in die Vergangenheit schauen. Ähnliche Zeiten zur Weimarer Republik wie heute und zwei Schlüsselsätze von einem der Urväter des heutigen Controllings, Eugen Schmalenbach. Der erste Satz: Eine Firma ohne Organisation, das ist wie ein Haufen Alteisen und Steine. Darin steckt: Nicht das Material, nicht die Ressourcen entscheiden, ob eine Firma Erfolg hat – sondern die Organisation der Menschen in dieser Firma entscheidet. Menschen machen den Unterschied und ihre Organisation macht den Unterschied.

Damit aber beides wirken kann braucht es vor allem eines: überragende, authentische und vertrauenswürdige Kommunikationsfähigkeiten. Ein zweiter Schlüsselsatz: Wo Prestige und Macht sich dröhnend Geltung verschaffen, da können die Kalkulator:innen nur leise weinend daneben stehen. In ökonomisch schwierigen Zeiten muss man rechnen können – nicht die Idee entscheidet über das wirtschaftliche Überleben, sondern allein die Fähigkeit, diese so umzusetzen, dass sie sich rechnet.

Und das ist Kunstlehre, den Weg herauszufinden, wo dies der Fall ist, eine Kunstlehre die in keiner Form automatisierbar ist. Eine dritte Aufgabe in der genKI-getränkten Informationsflut: Orientierung bewahren können und die Spreu vom Weizen trennen zu können. Auf Basis falscher Informationen verschwendetes Geld kommt nicht wieder. Welche Investitionen sind dann wirklich nachhaltig – das gilt es herauszufinden. All dies zeigt: Controller:innen werden in der Zukunft nicht überflüssig, sie werden wichtiger – zumindest so sie die besagten Skills mitbringen. Und sie sind und bleiben gut bezahlt. So liegt ihr aktuelles Gehalt nach Gehalt.de bei ca. 64.000 Euro im Durchschnitt.

Ein:e Controller:in unterstützt die Unternehmensleitung dabei, wirtschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen. Das beinhaltet das Analysieren von Unternehmensdaten, Planen zukünftiger Entwicklungen, Überwachen von Zielerreichungen und Entwickeln von Handlungsempfehlungen. Controller:innen sind dabei weder Buchhalter:innen noch Wirtschaftsprüfer:innen. Während die Buchhaltung die Vergangenheit dokumentiert, richtet Controlling den Blick vor allem auf die Zukunft:

  • Wo steht das Unternehmen aktuell?
  • Welche Entwicklungen sind zu erwarten?
  • Welche Risiken entstehen?
  • Welche Chancen sollten genutzt werden?
  • Wie können Gewinne gesteigert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden?

Controller:innen bilden somit die Brücke zwischen Daten, Strategie und Management.

1. Planung und Budgetierung

Eine der klassischen Kernaufgaben des Controllings ist die Unternehmensplanung. Controller:innen erstellen:

  • Umsatzplanungen
  • Kostenplanungen
  • Investitionspläne
  • Liquiditätsplanungen
  • Budgets für Abteilungen und Projekte

Sie sorgen dafür, dass Unternehmensziele in konkrete Zahlen übersetzt werden. Beispiel: Die Geschäftsführung möchte den Umsatz in den nächsten drei Jahren um 20 % steigern. Analysiert wird:

  • benötigte Investitionen
  • Personalbedarf
  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Rentabilität der Maßnahmen

2. Reporting und Kennzahlenmanagement

Controller:innen bereiten Unternehmensdaten verständlich auf. Typische Kennzahlen sind:

  • Umsatz
  • EBIT
  • Cashflow
  • ROI
  • Deckungsbeitrag
  • Eigenkapitalquote
  • Produktivität

Die Ergebnisse werden meist in Dashboards oder Management-Reports zusammengefasst. Dabei gilt: Daten besitzen keinen Wert an sich. Erst ihre Interpretation erzeugt Entscheidungsrelevanz.

3. Soll-Ist-Vergleiche

Controller:innen analysieren regelmäßig:

  • Welche Ziele wurden erreicht?
  • Wo weichen Ergebnisse von Planwerten ab?
  • Welche Ursachen gibt es dafür?

Abweichungen können beispielsweise entstehen durch:

  • steigende Einkaufspreise
  • sinkende Nachfrage
  • Produktionsprobleme
  • veränderte Marktbedingungen

Aus den Erkenntnissen werden konkrete Maßnahmen abgeleitet.

4. Strategische Unternehmenssteuerung

Moderne Controller:innen sind längst keine reinen Zahlenexpert:innen mehr. Sie unterstützen bei:

  • Unternehmensstrategien
  • Geschäftsmodellentwicklung
  • Digitalisierungsprojekten
  • Investitionsentscheidungen
  • M&A-Prozessen
  • Innovationsmanagement

Damit werden Controller:innen zu den meist gesuchten Helferlein des Managements, d.h. Business Partnern des Managements. Glauben Sie ein Management möchte darauf verzichten?

5. Risikomanagement

Unternehmen stehen heute vor zahlreichen Unsicherheiten:

  • geopolitische Krisen
  • Lieferengpässe
  • Cyberangriffe
  • Inflation
  • technologische Disruptionen

Controller:innen helfen dabei, Risiken frühzeitig transparent zu machen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

6. Digitalisierung und Controlling 4.0

Einer meiner zentralen Forschungsschwerpunkte ist die Frage, wie Digitalisierung das Controlling verändert. Controller:innen arbeiten heute zunehmend mit:

  • Business Intelligence
  • Data Analytics
  • Künstlicher Intelligenz
  • Machine Learning
  • Predictive Analytics
  • Echtzeit-Dashboards

Das klassische Excel-Controlling wird vielerorts durch intelligente Analyseplattformen ergänzt. Controller:innen entwickeln sich dadurch immer stärker zu datengetriebenen Unternehmenssteuerern. Forschung zu „Controlling in einer Industrie 4.0“ zeigt eindrucksvoll, welche neuen Chancen datenbasierte Unternehmenssteuerung eröffnet.

Welche Fähigkeiten braucht ein:e Controller:in?

Controller:innen müssen Kennzahlen sicher analysieren und interpretieren können.

Rechnungswesen und Finanzwissen

Grundlagen in:

  • Bilanzierung
  • Kostenrechnung
  • Investitionsrechnung
  • Unternehmensbewertung

Digitalkompetenz

Moderne Controller:innen benötigen Kenntnisse in:

  • ERP-Systemen
  • SAP
  • Power BI
  • Tableau
  • Datenbanken
  • KI-Anwendungen

Gerade die Digitalisierung verändert die Anforderungen an das Berufsbild grundlegend.

Vier-Phasen-Controlling-Kreislauf: Ziele setzen, Messen & Erfassen, Abweichungen analysieren, Gegensteuern

Persönliche Kompetenzen

  • Analytisches Denken: Controller:innen müssen komplexe Zusammenhänge schnell erfassen können.
  • Kommunikationsfähigkeit: Eine Analyse ist wertlos, wenn ihre Ergebnisse nicht verständlich kommuniziert werden.
  • Kritisches Denken: Wie ich häufig betone: Zahlen erzählen niemals die ganze Wirklichkeit. Sie enthalten immer Annahmen, Bewertungen und Prognosen. Sie sind zudem ein reduziertes Modell der Realität. Darum ist immer zu hinterfragen: was bleibt gerade außen vor? Und kann das (existenziell?) gefährlich werden?
  • Unternehmerisches Denken: Controller:innen sollten verstehen, wie Unternehmen tatsächlich Wert schaffen.

Wie viel verdient ein:e Controller:in?

Das Gehalt hängt von Branche, Unternehmensgröße, Region und Berufserfahrung ab.

  • Berufseinstieg: ca. 45.000 bis 60.000 Euro brutto pro Jahr
  • Mit Berufserfahrung: ca. 60.000 bis 90.000 Euro1
  • Senior Controller:innen und Führungskräfte: häufig 90.000 bis 130.000 Euro oder mehr2

In Konzernen oder internationalen Unternehmen sind teilweise noch höhere Vergütungen möglich. Zusätzlich kommen häufig hinzu:

  • Bonuszahlungen
  • Dienstwagenregelungen
  • betriebliche Altersvorsorge
  • Aktienprogramme

Damit gehört Controlling zu den attraktiv vergüteten betriebswirtschaftlichen Berufsfeldern.

Wie wird man Controller:in?

Ein Studium in:

bildet häufig die Grundlage. Auch Quereinsteiger aus Bereichen wie

  • Rechnungswesen
  • Wirtschaftsprüfung
  • Steuerberatung

finden regelmäßig den Einstieg. Besonders gefragt sind Qualifikationen in:

Wer diese Kompetenzen mit betriebswirtschaftlichem Know-how verbindet, verfügt über hervorragende Karriereperspektiven.

Die Zukunft der Controller:in: Vom Zahlenlieferanten zum digitalen Business Partner

Die Vorstellung der Controller:in als „Hüter der Zahlen“ greift heute zu kurz. Die Zukunft gehört Controller:innen, die:

  • Daten intelligent auswerten,
  • digitale Technologien nutzen,
  • Geschäftsmodelle verstehen,
  • strategisch denken,
  • Veränderungen aktiv gestalten.

Genau hier liegen auch die Schnittstellen meiner Forschungsarbeit zu Digital Business, Industrie 4.0, KI und Controlling. Die Unternehmenssteuerung der Zukunft wird datengetriebener, vernetzter und intelligenter. Gleichzeitig bleibt der Mensch unverzichtbar, denn Algorithmen liefern zwar Informationen und Entscheidungsvorlagen – wesentliche Entscheidungen treffen aber weiterhin Menschen.

Fazit

Controller:innen gehören zu den wichtigsten Entscheidungsunterstützer:innen moderner Unternehmen. Sie analysieren nicht nur Zahlen, sondern helfen dabei, Chancen und Risiken sichtbar zu machen, Strategien zu entwickeln und Unternehmen erfolgreich durch den digitalen Wandel zu führen.

Wer analytisches Denken, betriebswirtschaftliches Verständnis und digitale Kompetenz miteinander verbindet, findet im Controlling ein Berufsfeld mit exzellenten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. In einer datengetriebenen Wirtschaft wird die Bedeutung dieses Berufs in den kommenden Jahren weiter zunehmen – insbesondere dort, wo Controlling, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zusammenfinden.

FAQs

Ja, das Feld ist sehr breit. Neben dem allgemeinen Unternehmenscontrolling gibt es spezialisierte Bereiche wie:

Financial Controlling: Fokus auf Bilanzen, Cashflow und Liquidität.
Operatives Controlling: Fokus auf das Tagesgeschäft, Kosten- und Leistungsrechnung.
Sales Controlling: Analyse von Vertriebskanälen, Margen und Kundenprofitabilität.
HR Controlling: Personalplanung, Fluktuationskosten und Gehaltsstrukturen.
IT/Projekt-Controlling: Überwachung von IT-Budgets und großen Transformationsprojekten.
Es ist keine zwingende Voraussetzung für den Berufseinstieg, wird aber zunehmend zu einem massiven Wettbewerbsvorteil. Während Standard-Tools wie Excel oder Power BI oft ausreichen, helfen SQL-Kenntnisse enorm bei der direkten Datenbankabfrage. Python oder R sind besonders im Bereich Predictive Analytics (Vorhersagemodelle) sehr gefragt.
Start-up/KMU: Controller:innen sind oft „Allrounder:innen“. Er muss Strukturen und Dashboards erst aufbauen, arbeitet sehr nah an der Geschäftsführung und übernimmt teilweise auch Aufgaben aus der Buchhaltung oder dem HR.
Großkonzern: Hier arbeitet man meist in hochspezialisierten Teams (z. B. nur für eine bestimmte Produktlinie oder Region). Die Prozesse und ERP-Systeme (wie SAP) sind fest etabliert, und der Fokus liegt auf tiefgehenden Detailanalysen.
Der Beruf ist zyklisch geprägt. Es gibt typische „Peak-Zeiten“ (Spitzenbelastungen), insbesondere während des Monats-, Quartals- und Jahresabschlusses sowie in der Budgetierungsphase (oft im Herbst). In diesen Zeiten kann die Arbeitsbelastung hoch sein. Außerhalb dieser Phasen bietet das Controlling jedoch oft sehr geregelte Arbeitszeiten und gute Home-Office-Möglichkeiten.

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Quellenangaben:

  1. Glassdoor, Gehälter als Senior Controller in Deutschland ↩︎
  2. Stepstone, Senior Controller Gehälter in Deutschland ↩︎

Über die Autor:innen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Markus Grottke

Professor für ABWL mit Schwerpunkt Digital Business

Prof. Dr. Markus Grottke ist er als Professor für ABWL mit Schwerpunkt Digital Business tätig. Seine Expertise erstreckt sich über verschiedene Bereiche des Digital Business, wissenschaftliches Arbeiten, Digital Management, Kommunikation, Humanwissenschaften, Controlling & Industrie 4.0. Prof. Dr. Markus Grottke verbindet fundierte wissenschaftliche Expertise mit praktischer Industrieerfahrung und trägt maßgeblich zur Entwicklung des Digital Business und der Unternehmensführung an der AKAD University bei.

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